Warum Inklusion manchmal nichts taugt
28. September 2026
Zwei Jungen, 10 und 12 Jahre alt, nehmen nur unregelmäßig oder gar nicht am Schulunterricht teil. Warum? In Deutschland gilt die Schulpflicht, doch die beiden können dem Unterricht an einer Regelschule unter den aktuellen Bedingungen nicht folgen.
Sie sind autistisch, so wie rund 955 weitere Kinder in Hamburg.
Für viele dieser Kinder, von denen manche zusätzlich ADHS haben, ist der Schulbesuch in seiner jetzigen Form kaum oder gar nicht möglich.
Jedes Geräusch, jede Umstellung, ein veränderter Sitzplatz oder ein anderer Lehrer kann sie an ihre Grenzen bringen.
Trotz ihres jungen Alters erleben diese Kinder Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-out.
Viele von ihnen versuchen es immer wieder, scheitern aber oft schon nach wenigen Unterrichtsstunden an der Reizüberflutung und den fehlenden Rahmenbedingungen.
Das nagt am Selbstwertgefühl. Die Kinder fühlen sich als Versager, obwohl nicht sie versagen, sondern das System.
Dabei ist bekannt, dass autistische Menschen oft besondere Stärken und Begabungen mitbringen.
Eltern autistischer Kinder, teils mit zusätzlicher ADHS, stellen der Schulbehörde deshalb Fragen.
Sehbehinderte Kinder etwa können Förderschulen besuchen, wie es sie für viele Förderschwerpunkte gibt.
Für autistische Kinder ist ein solches Angebot nicht vorgesehen. Sie werden in Inklusionsklassen untergebracht, deren Rahmenbedingungen sie oft nicht aushalten können.
Darunter leiden alle: Wenn ein Kind völlig überfordert ist und es zu einem Overload oder Meltdown kommt, ist das für das Kind selbst eine enorme Belastung und erschwert zugleich auch den Mitschüler*innen das Lernen. Die Belastung, die eine große, vielfältige Klasse für autistische Kinder bedeutet, wird viel zu selten thematisiert.
Den betroffenen Familien bleibt oft nur, ihre Kinder zuhause selbst zu unterrichten oder auf eigene Kosten Lehrkräfte zu bezahlen.
So bleibt das Potenzial der Kinder ungenutzt, und ihre Einsamkeit wächst.
In Dänemark ist man auch hier wieder einmal weiter: Dort gibt es kleine Klassen, die speziell auf autistische Kinder ausgerichtet sind.
Auch in Deutschland sollten solche Lösungen möglich sein.